Kurz gesagt: „Ökogas“ ist keine eindeutige Aussage über das gelieferte Gas. Hinter dem Begriff können sehr unterschiedliche Tarife stecken: Erdgas mit einem kleinen Biomethananteil, ein Produkt mit bilanziell zugeordnetem Biomethan oder fossiles Erdgas, dessen Emissionen über Klimaschutzprojekte kompensiert werden sollen. Sinnvoll ist ein Tarif deshalb nicht wegen seines Namens, sondern nur dann, wenn Anteil, Herkunft und Nachweis des erneuerbaren Gases nachvollziehbar sind.
Für die Klimawirkung zählt außerdem, woraus das Biogas hergestellt wird. Reststoffe, Bioabfälle und Gülle sind anders zu bewerten als eigens angebaute Energiepflanzen. Auch Methanverluste bei Erzeugung und Aufbereitung gehören in die Bilanz. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die Begriffe auseinanderhältst und einen Gastarif ohne grüne Werbeversprechen prüfst.
Was ist Ökogas?
Im Tarifmarkt wird „Ökogas“ als Sammelbegriff verwendet. Die Verbraucherzentrale unterscheidet drei Gruppen:
- Biomethantarife: Dem Verbrauch wird ein bestimmter Anteil aufbereiteten Biogases zugeordnet. Dieser Anteil kann sehr klein sein oder bis 100 Prozent reichen.
- Kompensationstarife beziehungsweise Klimagas: Geliefert und verbrannt wird weiterhin fossiles Erdgas. Der Anbieter finanziert Zertifikate oder Projekte, die an anderer Stelle Emissionen vermeiden oder binden sollen.
- Power-to-Gas-Produkte: Gasförmige Energieträger werden mithilfe von Strom hergestellt. Für die Umweltwirkung sind unter anderem Stromherkunft, Wirkungsgrad und konkrete Gasart entscheidend.
Der Tarifname allein verrät also weder den erneuerbaren Anteil noch die Klimawirkung. Prüfe immer das Produktblatt und die Vertragsbedingungen.
Was ist der Unterschied zwischen Biogas und Biomethan?
Biogas entsteht, wenn Mikroorganismen pflanzliches oder tierisches Material ohne Sauerstoff vergären. Es enthält neben Methan auch Kohlendioxid und weitere Bestandteile. Das Umweltbundesamt nennt für Rohbiogas einen Methangehalt von ungefähr 50 bis 75 Prozent.
Biomethan ist aufbereitetes Biogas. Kohlendioxid und störende Begleitstoffe werden so weit entfernt, dass das Gas Erdgasqualität erreicht und in das Gasnetz eingespeist werden kann. „Bioerdgas“ wird häufig als weitere Bezeichnung dafür verwendet.
Für einen Haushalt mit Gasanschluss ist diese Unterscheidung wichtig: Ein Biogastarif liefert nicht automatisch 100 Prozent Biomethan. Viele Produkte ordnen nur einen bestimmten energetischen Anteil zu; der Rest bleibt fossiles Erdgas.
Ist Ökogas sinnvoll?
Ein transparenter Biomethantarif kann gegenüber rein fossilem Erdgas eine Verbesserung sein. Wie groß der Vorteil ist, hängt aber stark vom Biomethananteil, den eingesetzten Rohstoffen, der Anlagenqualität und der Nachweisführung ab. Ein Tarif mit einem Prozent Biomethan ist nicht mit einem Tarif gleichzusetzen, der den gesamten Verbrauch bilanziell mit Biomethan abdeckt.
Besonders kritisch sind Produkte, die lediglich fossiles Erdgas kompensieren. Die Verbraucherzentrale hält den tatsächlichen Umweltnutzen solcher Kompensationsprodukte trotz Siegeln für schwer überprüfbar und rät davon ab. Emissionen zuerst zu vermeiden oder den Wärmebedarf zu senken wirkt unmittelbarer als ihre nachträgliche Verrechnung.
Eine sinnvolle Reihenfolge lautet daher: Wärmebedarf senken, Heizung passend zur langfristigen Wärmeversorgung planen und erst danach den verbleibenden Gasverbrauch möglichst transparent verbessern. Ein grüner Tarifname macht eine fossile Gasheizung nicht automatisch zukunftssicher.
Wovon hängt die Klimabilanz von Biomethan ab?
Bei der Verbrennung von Biomethan entsteht Kohlendioxid. Häufig wird argumentiert, dass die Pflanzen dieses CO₂ zuvor aufgenommen haben. Für eine vollständige Klimabilanz reicht dieser Kreislauf jedoch nicht aus. Berücksichtigt werden müssen auch Anbau, Düngung, Transport, Vergärung, Aufbereitung, Lagerung der Gärreste und mögliche Methanverluste.
Reststoffe und Gülle statt Energiepflanzen
Biogas aus Bioabfällen, Reststoffen und Gülle vermeidet zusätzlichen Energiepflanzenanbau und kann Emissionen aus der Lagerung organischer Reststoffe verringern. Das UBA bewertet den Ausbau dieser Pfade deshalb günstiger als den zusätzlichen Anbau von Mais oder anderen Energiepflanzen. Bei Energiepflanzen kommen Flächenkonkurrenz, Dünger- und Pestizideinsatz sowie Auswirkungen auf Boden und Artenvielfalt hinzu.
„Aus Biomasse“ ist daher noch kein Qualitätsmerkmal. Suche nach Angaben wie Bioabfall, Gülle, Reststoff oder Grünabfall und prüfe, ob der Anbieter die Rohstoffbasis nachvollziehbar dokumentiert.
Methanverluste nicht ausblenden
Methan ist selbst ein starkes Treibhausgas. Entweicht es bei Erzeugung, Lagerung oder Aufbereitung, kann das den Klimavorteil deutlich verringern. Das Umweltbundesamt weist bei Biogasanlagen ausdrücklich auf dieses Risiko hin. Aussagen wie „klimaneutral“ oder „emissionsfrei“ sind ohne Lebenszyklusdaten deshalb zu pauschal.
Wie kommt Biomethan durch das Gasnetz zu dir?
Im verbundenen Gasnetz lassen sich die Moleküle am Hausanschluss nicht einem bestimmten Erzeuger zuordnen. Entscheidend ist die mengenmäßige Zuordnung: Biomethan wird an einer Stelle eingespeist und eine entsprechende Menge an anderer Stelle dem Verbrauch zugerechnet.
Das dena-Biogasregister dokumentiert dafür Menge, Herkunft, Eigenschaften, Einspeisung und Entnahme entlang der Lieferkette. Ein Registerauszug oder vergleichbarer belastbarer Nachweis ist aussagekräftiger als ein frei erfunden klingender Produktname.
Zusätzlich baut das Umweltbundesamt ein staatliches Herkunftsnachweisregister für Gase auf. Laut UBA-Stand vom 3. Februar 2026 war dieses Register gesetzlich vorgesehen, aber noch nicht in Betrieb. Private Zertifikate und das dena-Register sind deshalb nicht automatisch dasselbe wie ein staatlicher Gas-Herkunftsnachweis.
Biomethan oder Klimagas: Was ist der Unterschied?
Bei einem Biomethanprodukt wird dem Verbrauch eine konkrete erneuerbare Gasmenge zugeordnet. Bei einem Klimagas- oder Kompensationsprodukt bleibt das Gas grundsätzlich fossil; der Anbieter kauft Zertifikate oder unterstützt Projekte.
Kompensation ersetzt keine Emissionsminderung am eigenen Verbrauch. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass auf freiwilligen Kohlenstoffmärkten auch Zertifikate ohne ausreichende Klimawirkung gehandelt wurden. Vermeiden und Reduzieren haben Vorrang. Wenn ein Anbieter mit Kompensation wirbt, müssten zumindest Projektstandard, Zusätzlichkeit, Dauerhaftigkeit, Doppelzählung und Stilllegung der Zertifikate nachvollziehbar sein.
Ökogastarif prüfen: fünf entscheidende Fragen
- Wie hoch ist der Biomethananteil? Suche nach einer exakten Prozentangabe. „Mit Biogas“ kann auch nur einen sehr kleinen Anteil bedeuten.
- Aus welchen Rohstoffen stammt das Gas? Reststoffe, Bioabfälle und Gülle sind meist plausibler als eigens angebaute Energiepflanzen. Prüfe, ob Mais und andere Anbaubiomasse begrenzt oder ausgeschlossen sind.
- Wie wird die Menge nachgewiesen? Achte auf eine nachvollziehbare Massenbilanz, Registerauszüge und unabhängige Prüfung von Menge, Herkunft und Eigenschaften.
- Ist es Biomethan oder nur Kompensation? Ein Klimagasprodukt ersetzt fossiles Erdgas nicht. Verlasse dich nicht auf ein grünes Logo ohne überprüfbare Produktdaten.
- Stimmen Preis und Vertrag? Vergleiche Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit, Kündigungsfrist und Umfang der Preisgarantie. Ein Bonus im ersten Jahr darf einen dauerhaft teuren Tarif nicht verdecken.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei der Tarifwahl, Vertragslaufzeit und Preisgarantie gemeinsam zu betrachten und die Konditionen anschließend direkt beim Anbieter zu prüfen.
So gehst du praktisch vor
- Nimm deine letzte Jahresabrechnung und notiere den Gasverbrauch in Kilowattstunden.
- Senke zuerst unnötigen Wärmeverbrauch, etwa durch passende Raumtemperaturen, Heizkurve und hydraulischen Abgleich.
- Prüfe, welche Wärmeversorgung die kommunale Wärmeplanung und dein Gebäude langfristig sinnvoll machen.
- Wenn Gas vorerst bleibt, vergleiche Tarife anhand der fünf Kriterien oben – nicht nur anhand des Preises oder des Worts „Öko“.
- Speichere Produktblatt, Biomethananteil, Nachweise und Vertragsbedingungen zum Zeitpunkt des Abschlusses.
Weitere Orientierung findest du im DNK-Themenbereich Heizen und Wärme. Beim Strom gilt eine ähnliche Grundregel: Auch dort zählt der konkrete Zusatznutzen mehr als die Farbe des Tarifs. Mehr dazu steht im Ratgeber Ist Ökostrom sinnvoll?.
Häufige Fragen zu Ökogas
Ist Ökogas dasselbe wie Biogas?
Nein. Ökogas ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Tarifmodelle. Ein Tarif kann Biomethan enthalten, komplett bilanziell damit gedeckt sein oder lediglich fossiles Erdgas kompensieren. Biogas bezeichnet dagegen das Gas, das durch Vergärung organischer Stoffe entsteht.
Ist Biomethan klimaneutral?
Nicht pauschal. Für die Lebenszyklusbilanz zählen Rohstoffanbau, Düngung, Transport, Anlagenbetrieb, Aufbereitung, Gärreste und Methanverluste. Reststoffpfade können deutlich besser abschneiden als Energiepflanzen, sind aber nicht emissionsfrei.
Kommt bei 100 Prozent Biomethan nur Biogas aus meiner Leitung?
Im allgemeinen Gasnetz nicht physisch getrennt. Ein 100-Prozent-Produkt bedeutet üblicherweise, dass deinem Verbrauch eine entsprechende eingespeiste Biomethanmenge bilanziell zugeordnet und ausgebucht wird.
Ist Klimagas eine gute Alternative?
Klimagas bleibt grundsätzlich fossiles Erdgas mit Kompensationsversprechen. Weil die tatsächliche zusätzliche Klimawirkung schwer zu prüfen ist, empfiehlt die Verbraucherzentrale solche Produkte nicht. Energieeinsparung und nachvollziehbares Biomethan sind direkter bewertbar.
Ist Ökogas automatisch teurer?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Der Preis hängt unter anderem von Biomethananteil, Herkunft, Beschaffung und Vertragskonditionen ab. Vergleiche Gesamtjahreskosten statt nur Arbeitspreis oder Neukundenbonus.
Fazit: Nicht das Etikett, sondern der nachgewiesene Inhalt zählt
Ökogas kann ein sinnvoller Zwischenschritt sein, wenn eine Gasheizung vorerst weiterläuft und der Tarif einen hohen, nachvollziehbar nachgewiesenen Biomethananteil aus geeigneten Reststoffen bietet. Ein kleiner Beimischungsanteil oder ein reines Kompensationsprodukt ist damit nicht gleichzusetzen.
Prüfe deshalb Biomethananteil, Rohstoffe, Massenbilanz und Vertrag. Noch wichtiger bleibt, den Wärmebedarf zu senken und die langfristige Heizlösung nicht von einem grünen Tarifnamen abhängig zu machen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Verbraucherzentrale: Ist ein Tarif mit Ökostrom und Ökogas überhaupt sinnvoll?
- Verbraucherzentrale: Fürs Klima spenden und CO₂ kompensieren
- Verbraucherzentrale: So findest du den passenden Strom- oder Gastarif
- Umweltbundesamt: Biogasanlagen und ihre Umweltwirkungen
- Umweltbundesamt: Biogasproduktion aus Gülle und Bioabfall ausbauen
- Umweltbundesamt: Herkunftsnachweisregister für Gase
- Deutsche Energie-Agentur: Funktionsweise der Biomethan-Massenbilanz
Stand: Juli 2026. Tarifangebote und rechtliche Rahmenbedingungen können sich ändern; prüfe vor einem Abschluss die aktuellen Produkt- und Vertragsunterlagen.